Die üblichen Reporting-KPIs wie Öffnungs-, Klick- und Conversionrate sind wichtig. Sie zeigen, ob deine E-Mail wahrgenommen wurde, ob dein Angebot Interesse ausgelöst hat und ob deine Empfänger:innen direkt gehandelt haben. Für die operative Steuerung deiner Kampagne sind sie deshalb unverzichtbar. Allerdings zeigen sie nicht die gesamte Wirkung deiner E-Mail-Kampagne.
Eine Kaufentscheidung entsteht selten in dem Moment, in dem jemand deine E-Mail öffnet. Zwischen erstem Kontakt, konkretem Bedarf, Vergleich, Vertrauen und Entscheidung liegen oft weitere Schritte.
Wer E-Mail-Marketing nur anhand direkter Conversions bewertet, misst deshalb vor allem das, was sofort sichtbar wird. Ein nicht zu unterschätzender Einfluss entsteht derweil an anderer Stelle: im Kopf der Zielperson, in der weiteren Recherche über einen anderen Kanal oder im Austausch mit anderen Personen.
E-Mail-Reportings messen in der Regel direkte Reaktionen. Eine E-Mail wird versendet, empfangen und geöffnet; ein Link wird geklickt, und im besten Fall folgt eine Conversion.
Die KPIs beantworten also vor allem diese Fragen:
• Hat die E-Mail technisch funktioniert?
• War der Betreff stark genug für eine Öffnung?
• Hat der Inhalt genügend Interesse für einen Klick erzeugt?
• Hat die Zielseite eine direkte Handlung – eine Conversion – ausgelöst?
Je nach Intention deiner E-Mail mögen diese Kennzahlen ausreichen. Bei längeren Entscheidungsprozessen, erklärungsbedürftigen Angeboten, höherpreisigen Produkten oder Zielgruppen, die erst aktiviert werden müssen, sind sie jedoch nur eine Seite der Medaille.
Über direkte Handlungen hinaus beeinflusst E-Mail-Marketing auch die Wahrnehmung deiner Empfänger:innen.
Deine Zielperson kann deine E-Mail sehen, ohne sie zu öffnen. Sie kann den Absender registrieren, den Betreff lesen, das Thema abspeichern und trotzdem nicht reagieren. Wochen später taucht ein Bedarf auf. Oder ein Anlass wird relevant. Oder eine andere Person fragt nach möglichen Angeboten, Produkten oder Anbietern. In diesem Moment kann die frühere Wahrnehmung wieder relevant werden. Und genau diese Wirkung wirst du im Reporting nicht sehen.
Wenn überhaupt, wird die spätere Conversion einem ganz anderen Touchpoint zugeordnet. Zum Beispiel einer Google-Suche, einem Websitebesuch, einem Beratungsgespräch, einer Social-Media-Anzeige oder einem direkten Zugriff. Logisch war in diesen Fällen deine E-Mail nicht der letzte Klick, aber möglicherweise der erste Impuls.
Für die Gesamtbetrachtung der Wirkung von E-Mail-Marketing hilft ein Modell mit vier Ebenen. Es trennt direkte Reaktion vom längerfristigen Einfluss.
Das ist die sichtbare Ebene.
Eine Person öffnet deine E-Mail, klickt auf den Call-to-Action und füllt ein Formular aus, bucht einen Termin, lädt ein Whitepaper herunter, registriert sich, spendet oder kauft direkt.
Diese Wirkung lässt sich am einfachsten messen. Sie erscheint in deinem Reporting, lässt sich Kampagnen zuordnen und liefert dir schnelle Rückschlüsse auf Betreff, Inhalt, Angebot und Zielseite.
Direkte Conversions sind zwar wichtig, aber nicht der einzige Massstab für den gesamten Beitrag deiner E-Mail-Kampagne.
Nicht jede relevante Person ist zum Zeitpunkt des Versands entscheidungsbereit.
Deine E-Mail kann trotzdem wirken. Sie setzt einen Impuls, der erst später relevant wird. Der Empfänger erinnert sich an ein Thema, ein Angebot, ein Produkt oder einen Anbieter, wenn ein konkreter Bedarf entsteht.
Diese latente Aktivierung ist besonders wichtig bei Entscheidungen, die nicht spontan getroffen werden. Häufig braucht es einen Anlass, Budget, Vertrauen, Vergleichsmöglichkeiten, einen passenden Zeitpunkt oder die Zustimmung weiterer Personen.
Deine E-Mail löst zwar keine direkte Handlung aus, kann aber dafür sorgen, dass ein Angebot später überhaupt berücksichtigt wird.
E-Mail-Marketing kann Vertrautheit schaffen, auch ohne unmittelbare Interaktion.
Bereits Absendername, Betreff und wiederkehrende Themen tragen dazu bei, dass ein Unternehmen im Gedächtnis bleibt. Aus der psychologischen Forschung ist der Mere-Exposure-Effekt bekannt: Wiederholte Begegnungen mit einem Reiz können dessen Bewertung positiv beeinflussen, sofern der Kontakt nicht als störend oder irrelevant empfunden wird.
Für dein E-Mail-Marketing ist deshalb entscheidend, ob Inhalt, Zielgruppe, Timing und Frequenz zusammenpassen. Ansonsten bleibst du zwar vielleicht im Gedächtnis haften – nur nicht so, wie du es dir wünschst.
Eine E-Mail kann auch wirken, ohne selbst zu konvertieren.
Sie kann eine positive Grundhaltung bei späteren Kontakten erhöhen. Ein Telefonkontakt kommt anders an, wenn der Name deines Unternehmens bereits bekannt ist. Eine Social-Media-Anzeige sorgt eher für Aufmerksamkeit, wenn das Thema schon einmal im Posteingang aufgetaucht ist. Ein Websitebesuch entsteht vielleicht nicht direkt über den E-Mail-Link, sondern später über eine Suche nach dem Unternehmen, dem Produkt oder dem Angebot.
E-Mail ist deshalb im Cross-Channel-Marketing oft ein Vorbereitungskanal. Sie schafft erste Bekanntheit und unterstützt weitere Kanäle in ihrer Wirkung.
Käufer:innen prüfen in einer Entscheidungssituation kaum den gesamten Markt, ausser wenn es nur wenige Anbieter gibt. Sie arbeiten mit einer begrenzten Auswahl, die oft schon früh geprägt wird: durch frühere Wahrnehmung, Bekanntheitsgrad, Empfehlungen, bestehende Kontakte, Suchergebnisse, persönliche Erfahrung oder wiederkehrende Kommunikation.
Diese mentale Vorauswahl entsteht je nach Markt unterschiedlich. Bei einer grösseren Investition läuft sie anders ab als bei einer Spende, einem Abo, einem Reiseangebot oder einer Konsumentscheidung. Das Grundprinzip bleibt aber gleich: Wer vor dem konkreten Bedarf nie sichtbar war, startet später mit einem Nachteil, weil das Angebot im entscheidenden Moment nicht präsent ist.
Die Aufgabe deiner E-Mail ist deshalb auch, in diese mentale Vorauswahl zu gelangen. Was du dafür brauchst, sind konsistente, relevante und wiedererkennbare Kontakte.
Du kannst deine Zielgruppe sauber auswählen, eine starke Botschaft formulieren und ein relevantes Angebot versenden. Trotzdem ist ein grosser Teil deiner Empfänger:innen in diesem Moment nicht entscheidungsbereit.
Bedarf entsteht durch persönliche Anlässe, interne Projekte, Budgetzyklen, saisonale Peaks, Marktveränderungen, regulatorische Anforderungen, operative Probleme, neue Lebenssituationen oder veränderte Prioritäten. Auf diese Auslöser kannst du als Absender kaum Einfluss nehmen.
E-Mail-Marketing erhöht die Wahrscheinlichkeit, bei deiner Zielgruppe zum richtigen Zeitpunkt in Erinnerung zu bleiben, vorausgesetzt, du bist bei deiner Zielgruppe kontinuierlich präsent.
E-Mail-Marketing wird unterschätzt, wenn es nur anhand direkter Conversions bewertet wird. Der Kanal wirkt auch dort, wo klassische Reportings blind bleiben: bei der ersten Wahrnehmung, beim Aufbau von Vertrautheit, bei der späteren Erinnerung und als Verstärker für andere Kanäle. Voraussetzung dafür sind relevante und wiedererkennbare E-Mails.
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